
Generalanzeiger vom 12.Februar 2003
Dampflokomobile macht mobil
Denkmalsanierung - Wirtschaftskontakte - Städtepartnerschaft
HALBERSTADT.
Der namibische Botschafter war kurzfristig in seine Heimat
zurückgerufen worden, und so übernahm Botschaftsrätin Dagmar Honsbein dessen
Platz bei einem Besuch in Halberstadt. Nach einem Besuch des Dom enthüllte
sie gemeinsam mit dem Daehne-Nachfahren Friedrich-Wilhelm Schröter eine
Tafel am Stammhaus Dehne in der Voigtei 51, die darauf hinweit, daß dort die
"Wiege der Dampflokomobile Martin Luthers ist.
Im Anschluß trafen sich die Botschaftsrätin und ihre Begleitung sowie
Friedrich-Wilhelm Schröter mit Bürgermeisterin Ute Gabriel zu einem Gespräch
im Rathaus. Dort trug sich Dagmar Honsbein in das Goldene Buch der Stadt
ein.
Bekanntermaßen sind die Kontakte zwischen der Stadt Halberstadt und
Swakopmund in Namibia durch die Dampflokomobile "Martin Luther³ entstanden.
Im Jahr 2001 hatte sich die Stadt Swakopmund mit der Bitte um Unterstützung
zur Restaurierung des aus Halberstadt kommenden Nationaldenkmals gewandt.
Zusammen mit dem Europaabgeordneten Dr. Horst Schnellhardt und
Friedrich-Wilhelm Schröter als Vertreter des Familienverbandes Dehne wurde
ein Freundeskreis etabliert.
Die Restaurierung der stark von Rost zerfressenen "Martin Luther³ in
Swakopmund erfordert rund 33 000 Euro. Ein gutes Drittel ist bereits bei
Sammlungen in Halberstadt und Namibia zusammengekommen. Mit weiteren
Aktionen soll für die Rettung des Denkmals geworben werden. Dazu diente auch
der Vortrag von Dr. Jürgen Laege aus Haltern am See. Der
Dampflokomobilexperte sprach im Gleimhaus über "Fortschritt kennt keinen
Wassermangel Über Friedrich Dehne und die Anfänge des Transportwesens in
Namibia³. An dem Abend bekam der Daehne-Nachfahre überraschend ein
Original-Patent der Dampflokomobile von 1877, das ein ehemaliger Lehrling in
den 60er Jahren vor der Vernichtung gerettet hatte.
Doch nicht nur das alte Dampfroß ist mittlerweile Gesprächsthema zwischen
Halberstadt und Swakopmund. Die Dehne Food Consulting Halberstadt, deren
Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Schröter ist, bemüht sich um die
Produktion und die Verarbeitung von Kartoffeln in dem afrikanischen Land.
Außerdem ist eine Städtepartnerschaft Halberstadt-Swakopmund im Gespräch.

Generalanzeiger vom 15.Dezember 2002
"Die Arbeit muß nicht nur gut aussehen, sondern auch über Jahre halten"
Jahr der Jubiläen in der Ströbecker Zimmerei Adams - Familienbetrieb vor 80
Jahren gegründet - Bodo Adams seit 25 Jahren selbständig
SCHACHDORF STRÖBECK. Gleich zwei Jubiläen gab es in diesem Jahr in der
Ströbecker Zimmerei Adams zu begehen: 1922 wurde der Handwerksbetrieb von
Otto Bruns gegründet und 1977 machte sich der heutige Geschäftsführer Bodo
Adams selbständig.
Als Otto Bruns vor 80 Jahren seine eigene Zimmerei gründete, hatte dessen
Vater von ihm gemeint, er besitze keinen Unternehmergeist. Doch der Sohn
überzeugte ihn vom Gegenteil, er bewies nicht nur Unternehmensgeist, sondern
gar Besessenheit in seinem Beruf und in seiner Firma. Davon zeuge allein
schon die Tatsache, daß er bis 1976 den Betrieb erfolgreicht gelenkt und
geführt hat. Zu dem Zeitpunkt war er bereits 79 Jahre alt.
Von der Gründung bis 1959 hatte das Unternehmen unter Zimmerei Otto Bruns
firmiert, dann wurde es dem Kreisbaubetrieb angeschlossen und der alte Chef
der neue Leiter der Zimmerei Ströbeck.
Selbständigkeit
Bodo Adams hatte bei seinem Großvater traditionell Zimmerer gelernt, in dem
Beruf einige Jahre im Kreisbaubetrieb gearbeitet und ein Ingenieurstudium
absolviert. Immer hatte er mit dem Gedanken gespielt, sich einmal
selbständig zu machen. Doch das wurde zu DDR-Zeiten ja niemand leicht
gemacht. Als der Kreisbaubetrieb sich 1976 aus Ströbeck "verabschiedete³,
liebäugelte Adams mit dem alten Betrieb. Dann wollte es der Zufall, daß er
bei einem Auftrag in Stadtroda mit der dortigen SED-Kreisleitung in Clinch
geriet, weil er wegen eines Wochenendhausbaus für den dortigen Parteichef
Baustellen stillegen sollte. "Ich habe mich geweigert³, erinnert sich Bodo
Adams, "es kam zur Androhung einer Strafe. Und da habe ich von selbst
gekündigt.³
Um seinen Wunsch nach Selbständigkeit zu verwirklichen, war es damals
notwendig, als eine Grundvoraussetzung dafür Gewerberaum nachzuweisen. Der
war mit dem großelterlichen Betrieb gegeben. Also wurde ein Antrag gestellt,
der auch genehmigt wurde. Mit der Selbständigkeit ging die Arbeit so richtig
los. Doch die bestand erst einmal darin, die alten Maschinen
auseinanderzunehmen und zu reparieren sowie die Gebäude und ihre Dächer in
Ordnung zu bringen. Zudem war der Hof unbefestigt, für schwere Fahrzeuge
nicht befahrbar.
Genug zu tun
Mit der behördlichen Genehmigung der Selbständigkeit war die Maßgabe
verbunden, niemanden einzustellen und das Gatter nicht zu bewegen. Also hieß
es für Bodo Adams, der seinem Großvater gleich unermüdlich an der Umsetzung
seines Traumes wirkte, zunächst allein die Ärmel hochzukrempeln. Doch schon
etwa ein Vierteljahr später wurde er vom Rat des Kreises gebeten, für eine
LPG Lohnschnitt durchzuführen, weil in Dingelstedt Wohnblöcke gebaut werden
sollten und die staatlichen Betriebe total in Planaufgaben eingebunden
waren.
Ganz allein hat der Zimmereichef die zum Teil acht Meter langen Hölzer
bewegt und zu geschnitten. Kaum war der Auftrag realisiert, kamen andere
LPGn und haben ihr Holzdeputat schneiden lassen. Damit wurde die Auslastung
so groß, "daß ich den Hof im Januar nach den Festtagen auf- und erst
Weihnachten wieder zugeschlossen habe³. Das Auftragsbuch war voll, "mitunter
gab es keine Möglichkeit, einen kleinen Eigenheimbauer mit einzuschieben³,
obwohl zwischenzeitlich zwei Mitarbeiter eingestellt werden durften.
Sägewerk gekauft
Dann kam die Wende. "Ich mußte mir etwas einfallen lassen³, erinnert sich
Bodo Adams, "denn eine Zimmerei ohne Sägewerk funktioniert nicht, zumal ich
in der Sanierung tätig sein wollte.³ Auf Biegen und Brechen bemühte sich der
Ströbecker um den günstigen Kauf eines Sägewerks. Das fand er in
Zweibrücken/Saarland, wo er es demontierte, mit dem damaligen VEB
Kraftverkehr in das Schachdorf transportierte und hier wieder aufbaute.
Als die LPG-Brigade Ströbeck aufgelöst wurde, hat er sie komplett
übernommen, ebenso die nicht mehr zeitgemäße Technik. Mit letzterer fielen
aber entsprechende Kosten für Reparaturen an. Und so ging es dem Unternehmen
in den ersten Jahren durch Investitionen und Bauarbeiten relativ schlecht.
"Nie war Geld da³, weiß der Zimmereichef.
Mit 15 Gewerblichen (die LPG-Brigade und seine Zimmerleute) begann Adams
sich auch mit dem Bau von Einfamilienhäuser zu beschäftigen. Es galt neue
Materialien und Baustoffe kennenzulernen und einzusetzen, "um mit der Zeit
mitzuhalten³. Ein Haus wurde gebaut. "Ohne Mängel³, betont er stolz und fügt
hinzu, daß es auch im elften Jahr nach der Fertigstellung noch keine
Reklamationen gegeben hat.
36 Lehrlinge
1993 begann Adams Lehrlinge ausbilden, "weil ich gemerkt habe, daß die auf
dem Markt befindlichen Zimmerleute nicht die Anforderungen in Qualität und
auch Pünktlichkeit erfüllten, die ich stellte³. Seither werden jährlich vier
Lehrlinge eingestellt, 36 sind es mittlerweile, so daß viele gut
ausgebildete Zimmerer auch an Mitwettbewerber weitergegeben werden konnten.
Stolz ist der Chef auch auf seine beiden Landessieger im Zimmererhandwerk,
von dem einer als Zimmerermeister im Betrieb tätig ist und der zweite gerade
seinen Zivildienst ableistet.
Meist Sanierung
"Wir haben die Zeit bisher sehr gut überstanden³, blickt er auf die
vergangenen zehn Jahre zurück. Zu 90 Prozent ist die Zimmerei in der
Sanierung von hauptsächlich Schlössern, Burgen und Kirchen tätig. Mit seinen
derzeit 34 Beschäftigten, davon 20 Facharbeiter, zwölf Auszubildende und
zwei Angestellte ist der Betrieb von Bodo Adams ein leistungsfähiges
Einzelunternehmen. Zimmerer aus Ströbeck bauten unter anderem am Taubenturm
in Aderstedt, am Kirchturm Liebenwerda, am Kirchenschiff Heimburg, in der
Stadtbibliothek "Heinrich Heine³ Halberstadt, in der Tigeranlage im
Magdeburger Zoo, in der Johanniskirche Halberstadt, am Kirchengemeindehaus
Oschersleben, im Wendhusen-Kloster Thale, in der Kirche Üplingen und am
Halberstädter Dom. Hier stammen zum Beispiel drei Glockenstühle, auch jener
der "Domina³, von der Firma Adams. Aktuelle Objekte, mit denen die Zimmerei
beschäftigt war/ist sind zum Beispiel in der Voigtei Halberstadt
(Bürgerhaus), am Krankenhaus Wernigerode und in den Franckeschen Stiftungen
in Halle. Zum Firmenprofil gehören auch Maurer- und Trockenbauarbeiten.
Altes Handwerk
Der Glockenstuhl für die "Domina³ wurde erst zusammengebaut und dann
demontiert, um später in die Glockenstube eingepaßt zu werden. "Das war eine
Aktion, bei welcher wir nicht nur neue Erfahrungen gesammelt haben³, so Bodo
Adams, "es war auch beeindruckend, was wir da erlebt haben, und es macht uns
auch ein wenig stolz, dabeigewesen zu sein.³ Der Bau der Glockenstühle habe
ihn auch weitergebracht, weil er sich mit vielen Dingen auseinandersetzten
mußte, die er bis dahin so nicht kannte. Aber bei all den Aufträgen kommt
ihm zugute, daß er sein Handwerk beim Großvater von der Pike auf gelernt hat
und daher noch traditionelle Holzverbindungen kennt und um die Qualität
weiß, die damit verbunden sein muß. Solche Arbeiten müssen nicht nur gut
aussehen, sondern auch über Jahre halten. Und genau das hat er an seinen
Sohn Gordon weitergegeben, der bei bei ihm gelernt hat und in dem
Familienbetrieb mit qualifizierten Mitarbeitern, einem modernen
Maschinenpark und vollen Auftragsbüchern arbeitet und als Diplomingenieur
die Bauleitung wahrnimmt. eg
Glockenstuhl für die "Domina"
Dom: Eins der spektakulärsten Projekte:
Der in Ströbeck gebaute Glockenstuhl
für die Domina,
wird in der Glockenstube im Südturm des Doms montiert.
Die "Domina" hat einen Durchmesser von 2,30 m und ein Gewicht von
8,2 Tonnen, die die Holzkonstruktion zu tragen hat.
Am Sonnabend, den 03.Juni 2000, anlasslich des Domfestes, wurden die Domtürme
für Schaulustige geöffnet.
Trotz der hohen Temperaturen an diesem Tag, nutzten viele Gäste
die Gelegenheit, sich den rekonstruierte Glockenstuhl aus nächster Nähe
anzusehen.
Voigtei 51/52
Voigtei: Ein Objekt, in dem in diesem Jahr viel Holz verbaut wurde.
Inzwischen haben schon erste Mieter die Wohnungen bezogen, auch der
Geschäftsraum im Erdgeschoß des Hauses in der Voigtei ist belegt.
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